Politische und kulturelle Institutionen der jüdischen Gemeinden

0.1.Vorstand und Gericht

Alle Gemeinden, sobald sie groß genug waren, besaßen eine fest strukturierte Verwaltung mit mehreren Instanzen. Leiter der Gemeinde war der Vorsteher, „Parnass bezeichnet“, der als Oberhaupt die Gemeinde nach außen vertrat. Er führte ein autokratisches Regiment und war unter anderem auch für die kollektiv auferlegten Steuern, für die Finanzierung der Gemeindeinstitutionen und für die Versorgung der Bedürftigen zuständig. Ihm zur Seite standen die Vertrauensmänner „Tuwej ha'ir“, die meist zugleich die Gemeindeältesten waren. Zusammen mit dem Vorsteher regierten sie über die Gemeinde. Sie entschieden auch, wie viel jedes Gemeindemitglied zur Steuer beitragen sollte. Sie wurden für ihre Arbeit nicht bezahlt, sondern leisteten den Dienst freiwillig, daher rekrutierten sie sich generell aus einer kleinen reichen Oberschicht, denn nur sie waren in der Lage, einem unbezahlten Posten die nötig Zeit und Mühe zu widmen. Allein der Gemeindediener „Schamasch“ war ein bezahlter Beamter, dessen Hauptaufgabe in der Veröffentlichung aller wichtigen Beschlüsse und Anordnungen für die Gemeinde war.
Die jüdische Gemeinde besaß auch eigene Richter, die über Vergehen innerhalb der Gemeinde urteilten und als Strafen entweder eine Geld- oder Haftstrafen auferlegten. Besonders schwere Verbrechen wurden mit dem Bann belegt, der ähnlich wie die Exkommunikation im Christentum funktionierte. Der Betroffene wurde aus der Gemeinde ausgeschlossen und durfte nicht mehr die Synagoge betreten oder am Gottesdienst teilnehmen. Bei ihren Entscheidungen hatten die Richter freie Hand, es gab keine Kontrollinstanzen oder übergeordnete Landesbehörden. Die rechtliche Autonomie der jüdischen Gemeinden erstreckte sich jedoch nicht auf die Blutsgerichtsbarkeit, diese lag beim christlichen Gericht. Bei kleineren Delikten konnte ein Jude selbst entscheiden, ob er vor einem christlichen oder jüdischen Gericht erscheinen wollte.
Vorsteher, Richter und Vertrauensmänner wurden meist von den Ältesten und den Gelehrten der Gemeinde bestimmt. Erst ab dem 13. Jahrhundert setzte sich das Mehrheitswahlrecht durch, als die Privilegien der jüdischen Oberschicht allmählich eingeschränkt wurden.

0.2.Rabbinat und Jeschiwa

Portrait of a Rabbi -Rembrandt[Bild: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons]

Eine wichtige Rolle in der Gemeinde spielte der Rabbiner. Dabei handelte es sich genau genommen nicht um einen Beruf, sondern eine durch langes Studium und ausführliche Bildung erreichte Auszeichnung, das höchste Bildungsziel im traditionellen Judentum. Um Rabbiner zu werden benötigte ein Jude neben wissenschaftlichen Qualifikationen –generell die vollständige Kenntnis des religionsgesetzlichen Wissens und ein Netzwerk an Lehrern, Schülern und Kollegen, um seine Aufgaben zu erfüllen und sich ständig weiterzubilden. Auch war ein gewisser Reichtum vonnöten, um sich dem zeitintensiven Studium widmen zu können.
Im Mittelalter nahmen Rabbiner eine Führungsposition innerhalb der Gemeinde ein. Ihre wichtigste Funktion war der Vorstand des lokalen jüdischen Gerichtshofes, in dem über zivilrechtliche und religionsgesetzliche Fragen entschieden wurden. Sie fertigten Gutachten zu den Gesetzestexten an und unterstützten die Richter in ihren Aufgaben. Kernelement dieser Gutachten war die Interpretation und das Kommentieren der Gesetzestexte, im aschkenasischen Judentum des Mittelalters vor allem der Tora und des Talmud. Je nach Organisation der Gemeinden und Einfluss des Rabbiners konnten diese Kommentare überregionale Anerkennung finden und bei verschiedenen Rechtsangelegenheiten angewendet werden. Die Urteile des Mainzer Gelehrten Gerschom ben Jehuda wurden noch Jahrhunderte nach seinem Tod von den aschkenasischen Juden in ganz Mitteleuropa verwendet. Gleiches gilt für die Schriften des Wormser Gelehrten Raschi.
Auch hier gab es keinen zentralen Landesverband, so dass die Rabbiner innerhalb ihrer Gemeinde freie Hand hatten. Weitere wichtige Aufgaben waren die Leitung der Talmudhochschule, Beratung der Gemeindemitglieder bei Fragen zum Recht oder zur Religion sowie gelehrter Austausch mit anderen Rabbinern und Gelehrten zur Weiterbildung. Im Laufe des Mittelalters wuchs die politische und religiöse Autorität der Rabbiner, so dass sie zu Konkurrenten für den Vorsteher wurden. Im 13. Jahrhundert setzte es sich durch, dass der Rabbiner nicht von den Ältesten ernannt, sondern von der Gemeinde gewählt und dann auch bezahlt wurde.
Eine Talmudhochschule, Jeschiwa genannt, zog viele Studenten an. Es war für jüdische Studenten nicht unüblich, eine Zeit lang von Schule zu Schule zu reisen, um seinem Studium nachzugehen und sich weiterzubilden. Oft übernahmen diese Studenten während ihrem Besuch kultische Rollen für kleine umliegenden Gemeinden, die nicht groß genug waren um alle religiösen Ämter zu besetzen. Aschkenasische Studien konzentrierten sich auf die traditionellen jüdischen Schriften, Tora und Talmud, weshalb im Mittelalter zahlreiche Kommentare zu den beiden Schriften erschienen. Tora und Talmud bildeten zugleich die Grundlage für das jüdische Religionsgesetz, ihre Interpretation und Anwendung war Aufgabe der Rabbiner und Richter, um die Ordnung innerhalb der Gemeinden zu erhalten.

0.3.Judenbischof und Judenrat

Eine weitere, nur schwer zu definierende Instanz ist der Judenbischof. Es handelt sich hierbei trotz seines Namens um ein weltliches bzw. politisches Amt. In den Gemeinden, in denen ein Judenbischof nachgewiesen ist, trat er als weltlicher Leiter der Gemeinde auf. Jedoch sind seine Aufgaben und Befugnisse nicht genau bekannt. Eine Theorie ist, dass er als Liaison zwischen jüdischer Gemeinde und dem christlichen Schutz- bzw. Territorialherren diente. In Worms wird im Jahr 1090 ein Judenbischof erwähnt, in Mainz 1286 und in Speyer 1338. Oftmals wird dabei angemerkt, dass der Judenbischof vom Stadtherrn eingesetzt oder zumindest bestätigt wurde.
Ebenfalls ein Zeichen einer großen, stabilen Gemeinde ist das Vorhandensein eines Judenrates. Zu seinen Aufgaben gehörte die Regelung der Beziehungen zur christlichen Umwelt, manche hatten einen Judenbischof als Vorsteher. Oft wurde der Judenrat auch im Umland aktiv, wenn naheliegende Gemeinden nicht genug Personen für einen eigenen Rat besaßen. Außerdem kümmerte sich der Rat um die Administration, um die Versorgen von Alten, Kranken und Waisen, um die Aufnahme Reisender und um das Bildungswesen. Viele Gemeinden hatten zumindest eine Grundschule, größere zudem eine Talmudhochschule. Die frühesten Judenräte sind in den SchUM-Städten nachgewiesen, wo sie seit dem 11. Jahrhundert auftauchten. Es gibt Hinweise, dass auch der Judenrat von der reichen Oberschicht der Gemeinde gestellt wurde.

0.4.Friedhof

Judenfriedhof Worms[Bild: Torsten Schrade]

Nur ein Fünftel aller jüdischen Siedlungen besaß einen Friedhof. Sie wurden nur bei großen und stabilen Gemeinden angelegt, da Erwerb und Unterhalt erhebliche finanzielle Belastungen für die Gemeinde bedeutete. Im mittleren Rheingebiet sind für das Mittelalter nur 17 Friedhöfe nachgewiesen.
Der älteste jüdische Grabstein Europas fand sich auf dem Mainzer Friedhof und stammt aus dem 11. Jahrhundert. Der älteste noch erhaltene Friedhof befindet sich in Worms und wurde ebenfalls im 11. Jahrhundert gegründet. Das besondere an jüdischen Friedhöfen ist, dass sie nicht aufgegeben werden dürfen, auch darf man die einst beerdigten Leichen nicht umbetten, denn die Totenruhe gilt als unantastbar. Ebenso dürfen einmal aufgestellte Grabsteine nicht entfernt werden, selbst wenn sie beschädigt wurden. Üblicherweise werden die Grabsteine nach Osten ausgerichtet, Richtung Jerusalem. Eine Ausnahme ist der Wormser Judenfriedhof, auf dem die Steine nach Süden ausgerichtet sind. Grabeinfassungen oder Blumen waren schon im Mittelalter und sind bis heute unüblich. Stattdessen werden bei Besuchen Steine als Zeichen der Verehrung auf dem Grab abgelegt, gelegentlich auch Kerzen oder ein Zettel mit einem Bibelspruch. Der Besuch auf einem Friedhof führt laut der jüdischen Lehre zur spirituellen Verunreinigung der Besucher, daher gibt es im Vorhof der Friedhöfe Wasserbecken mit fließendem Wasser zur Reinigung.

0.5.Bad und Hospital

Modell Speyrer Mikwe[Bild: Stadtarchiv Speyer]

Das Judenbad, die Mikwe, wurde auch nicht in allen Siedlungen eingerichtet. Das Bad erfüllte eine rein kultische Funktion, indem Juden, die aus irgendeinem Grund als spirituell verunreinigt galten, sich in ihm reinigen konnten. Manchmal gab es für Frauen und Männer getrennte Bäder, wobei Frauen diese generell häufiger aufsuchen mussten, da sie unter anderem während der Menstruation als verunreinigt galten. Auch vor der Hochzeit und nach der Geburt eines Kindes suchten sie das Bad auf. Auch ein Besuch am Friedhof, oder das Hantieren mit gewissen Tieren und Fleisch galt als Verunreinigung. Die Bäder bestanden meist aus einem Vorraum, einem Gang, der zum Becken führte und das Becken selbst. Dabei war das Wasserbecken meist unterirdisch angelegt. Das Wasser in der Mikwe musste fließend sein und wurde meist direkt vom Grundwasser abgeleitet. Der Bader musste komplett unter Wasser abtauchen, um sich zu reinigen. Auch vor und während mancher Feste war ein Besuch im Bad vorgeschrieben.
In einigen wenigen jüdischen Siedlungen befanden sich auch Hospitäler. Dabei handelte es sich nicht um Krankenhäuser, wie wir sie heute kennen. Ein Hospital wurde durch fromme Stiftungen finanziert und erfüllte karitative Aufgaben, wie die Beherbergung und Versorgung von Waisenkindern, Kranken und Armen. Ärztliche Versorgung wurde ebenfalls angeboten. Am Mittelrhein waren nur in fünf Städten Hospitäler nachgewiesen, darunter auch in den SchUM-Städten.

0.6.Synagoge und Gottesdienst

Tora-Rolle[Bild: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Torah_]

Synagogen waren die Zentren der jüdischen Gemeinden, auch wenn nur bei einem Viertel aller Siedlungen eine gebaut wurde. Im mittleren Rheingebiet sind bis zum Jahr 1520 insgesamt 40 Synagogen nachgewiesen. Oft erfüllte eine Synagoge verschiedene Funktionen, und das Gebäude wurde nicht nur als Gotteshaus, sondern auch als Gerichtssaal oder Schule verwendet. Vor allem die Talmudhochschulen befanden sich häufig in der Synagoge. Die frühesten und bedeutendsten Talmudhochschulen des aschkenasischen Judentums waren die der SchUM-Städte und wurden im 9. und 10. Jahrhundert gegründet.
Jede Synagoge benötigte eine bestimmte Ausstattung, um ihre Rolle als Gotteshaus zu erfüllen und um in ihr Gottesdienste abzuhalten. Die größte Bedeutung kam der Torarolle zu, erst durch sie wurde ein Gebäude zu einer Synagoge. Sie wurde auf Pergament in Rollenform aufgesetzt, wobei für die Herstellung und Niederschrift bis heute strenge Vorschriften herrschen. Der Text musste mindestens die fünf Bücher Mose umfassen. Die Rolle wird von den sogenannten Torawickel geschützt und gilt als heilig. Es war verboten, die Schrift der Tora zu berühren, der Vorleser benutzte beim Hantieren mit der Rolle einen Weiser, einen langen Stab, meist aus Silber. Zusätzliche Schmuckstücke konnten die Torarolle verzieren, etwa ein Schild, ein Aufstecker oder eine Krone. Sie wurden üblicherweise aus Silber gefertigt. Die Torarolle wurde in einer Lade hinter Vorhängen aufbewahrt, nur zu Gottesdiensten wurde sie herausgenommen. Um einen Gottesdienst erfolgreich auszuführen brauchte es vor allem drei Personen, den Vorbeter oder Vorleser, der Texte aus der Tora rezitierte, einen Prediger, der den Gottesdienst leitete und einen Synagogendiener, der das Haus pflegte und verwaltete und bei der Organisation von Feiern und Gottesdiensten beteiligt war.
Kern jeder Gemeinde sind die „Minjan“, zehn erwachsene Männer. Sie sind das Minimum für das Abhalten eines Gottesdienstes. Untereinander sprachen die Juden meist in hebräisch, im Mittelalter kam das Jiddische als Umgangssprache hinzu. Herausragend war auch die Bildungsmöglichkeiten, die die mittelalterlichen jüdischen Gemeinden ihren Kindern boten. Die jüdische Bevölkerung war in höherem Maße alphabetisiert als Christen.
Das wichtigste Buch für den jüdischen Gottesdienst war das Gebetsbuch Siddur, seine Texte stammen angeblich aus biblischen Zeiten. Nach der Bibel ist es das älteste und meistbenutzte liturgische Werk der Juden. Im Mittelalter erhielten Vorbeter und jüdische Dichter die Erlaubnis, für Feiertage und Gottesdienste neue Texte einzufügen.

0.7.Traditionen und ihre Überlieferung

Während des Mittelalters entwickelten die Gemeinden unterschiedliche Traditionen und Bräuche, beeinflusst durch ihre Erlebnisse und ihre Umwelt. Daneben gab es auch viele Traditionen, etwa das Begehen bestimmter Feste, der Gottesdienst, Beschneidung, Hochzeit etc. die sich in allen Gemeinden wiederfanden, doch ihre genaue Ausführung unterschied sich oft von Gemeinde zu Gemeinde.
Ein sich erst im Mittelalter in Aschkenas entwickelnder Brauch waren die Memorbücher. Dabei handelte es sich um Nekrologe, in denen Name und Todestag der Verstorbenen eingetragen wurden. Oft wurden die genannten Personen als Märtyrer bezeichnet, denn sie wurden häufig nach Pogromen verwendet, um alle Opfer festzuhalten und ihnen zu gedenken. Oft wurden auch Gebete eingetragen, sodass die Memorbücher auch als Gebetsbücher dienen konnten. Der Brauch entstand vermutlich in Reaktion auf die Pogrome von 1096, als Teilnehmer des ersten Kreuzzuges auf dem Weg in den Nahen Osten zahlreiche jüdische Gemeinden überfielen, zerstörten und die Bewohner töteten. Im orientalischen Judentum des Mittelalters waren Memorbücher gänzlich unbekannt.
Angesichts der wachsenden Verfolgung fand sich im 15. und 16. Jahrhundert eine neue Betonung der Gemeindetraditionen und Bräuche, die es niederzuschreiben galt, um sie für die Nachwelt zu erhalten, selbst wenn die Gemeinde zerstört werden sollte. Eines der wichtigsten Sammlungen von Traditionen stammt vom Mainzer Gelehrten Maharil (1335-1427). Er verfasste das" „Minhagim"“, ins Deutsche als "Gebräuche" übersetzbar“, in dem er die Rituale, Festvorschriften, Traditionen und Bräuche der Mainzer Gemeinde fixierte.

0.8.Essgebote

Juden unterlagen auch strengen Essgeboten, die es nötig machten, dass in jeder Gemeinde jüdische Lebensmittelhändler und vor allem ein jüdischer Metzger arbeiteten. Gerade die Fleischverarbeitung unterlag einer Vielzahl von Regeln, deren genaue Kenntnis unbedingt nötig war, um koscheres Fleisch zu produzieren. Generell verboten waren Schwein und Hase, alle Vögel außer Hausgeflügel wie Huhn und Ente, sowie Schalentiere, Insekten und Aal. Außerdem war die Todesart des Tieres und seine Zubereitung entscheidend, ob das Fleisch als koscher galt und gegessen werden durfte. Auch der Konsum von Milch und Fleisch wurde strikt getrennt. Die jüdischen Metzgereien waren oft ein Streitpunkt zwischen christlicher und jüdischer Gemeinde. Da der Verzehr bestimmter Körperteile der Tiere verboten war, verkauften die jüdischen Metzger diese lieber an Christen, anstatt sie wegzuwerfen. Unter der christlichen Bevölkerung wurden dann in zahlreichen Fällen Gerüchte verbreitet, dass die Juden altes, minderwertiges oder gar verdorbenes Fleisch an Christen verkauften, da es für sie selbst nicht gut genug sei. Dies wurde als Beleidigung oder gar als Bedrohung aufgefasst, so dass in mehreren Fällen den jüdischen Metzgern verboten wurde, an Christen zu verkaufen.

0.9.Kalender und Feiertage

Sedertisch. Festmahl zum Pesachfest[Bild: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons]

Der jüdische Kalender unterscheidet sich stark vom christlichen. Er erhebt den Anspruch, mit der in der Bibel beschriebenen Schöpfung zu beginnen und zählt 2012/2013 n.Chr. als das Jahr 5773. Der Kalender folgt dem Mondjahr, errechnet sich also über die Mondphasen und hat 354 Tage. Da dies um über einen Tag vom Sonnenjahr abweicht, wird alle 19 Jahre ein Schaltjahrzyklus eingeführt, indem sieben Jahre mit 30 Schalttagen die fehlenden Tage ausgleichen sollen. Das Jahr beginnt im Herbst. Als Tagesbeginn wird der Sonnenuntergang am vorherigen Abend gezählt. So beginnt der Sabbat am Freitagabend und dauert den ganzen Samstag.
Auch finden sich in jeder Jahreszeit bestimmte Feiertage, wobei die wichtigsten mit großen Festen begangen werden. Dazu zählt das Neujahrsfest Rosch Ha-Schana. Der Beginn des neuen Jahres wird mit Feiern und Festmählern begangen. Jom Kippur, der Sühnetag, findet zehn Tage später statt und gilt als heiligster Tag des Jahres. Essen und Trinken ist verboten, an diesem Tag gilt es, seine Sünden zu beichten und um Vergebung zu bitten. Das Laubhüttenfest ist ein Erntedankfest, das sieben, manchmal auch neun Tage lang gefeiert wird.
Im Winter wird Chanukka gefeiert, der einzige jüdische Feiertag, der nicht biblischen Ursprungs ist. Er findet zur Wintersonnenwende statt und feiert die Wiedereinweihung des Tempels in Jerusalem.
Im Frühling findet das wohl ausgelassenste Fest des jüdischen Kalenders statt, Purim, das Fest der Lose. Es ähnelt dem Karneval und wird ebenfalls mit Umzügen und lauten Feiern begangen. Da das Purimfest meist in die vorösterliche Trauerzeit fällt, empfanden gerade im Mittelalter die Christen die fröhliche Stimmung der Juden als Provokation.
Das Pessachfest gedenkt der Rettung der Juden aus Ägypten, ist eines der wichtigsten jüdischen Feste und kann bis zu acht Tage andauern. Mit ihm sind zahlreiche Traditionen verbunden, bestimmte Speisen zum Verzehr und spezifische Gebete. Das Pessachfest gilt als Familienfest und wird oft im großen Kreis begangen.

0.10.Literatur

  • Battenberg, J. Friedrich: Juden in der vormodernen Stadt zwischen Integration und Ausgrenzung. In: Raum und Zeit der Städte. Hrsg. von Hoppe, Andreas. Frankfurt am Main 2011.
  • Stemberger, Brigitte: Geschichte der Juden in Deutschland von den Anfängen bis zum 13. Jahrhundert. In: Juden in Deutschland. Zur Geschichte einer Hoffnung. Hrsg. Von Peter von der Osten-Sacken. Berlin 1980.
  • Stemberger, Günter: Einführung in die Judaistik. München 2002.
  • Ziwes, Franz-Josef: Studien zur Geschichte der Juden im mittleren Rheingebiet während des hohen und späten Mittelalters. Hannover 1995.

 

Red. Bearb. Juliane Märker 22.03.2013